Mit der letzten DR-Fähre nach Rügen (Allgemeines Forum)

ktmb, Dienstag, 26.07.2016, 19:04 (vor 3176 Tagen)
bearbeitet von ktmb, Dienstag, 26.07.2016, 19:07

In diesem Jahr sollte es wieder einmal für zehn Tage auf die Insel Rügen gehen. Aufgrund der Idee, einen Bekannten in Kopenhagen zu besuchen, entschied ich mich für die Anreise nach Rügen per Schiff. Nach einiger Recherche entschied ich mich auf dem Hinweg für zwei Fährgesellschaften. Auf dem ersten Stück sollte uns die Finntrader der Finnlines von Travemünde nach Malmö bringen. Die Anfahrt zum Fährterminal am Skandinavienkai erfolgte per Intercity und Nahverkehr über Lübeck. In Hamburg sind wir auf dem richtigen Bahnsteig leider in den hinteren Zugteil eingestiegen, der als Regionalbahn sämtliche Unterwegsbahnhöfe bis Bad Oldesloe mitnimmt. Dadurch sparten wir jedoch Wartezeit in Lübeck Hbf., um mit einem weiteren Nahverkehrszug zum Haltepunkt am Skandinavienkai zu gelangen. Da das Fährbüro im Hafen doch noch einige Meter weit entfernt ist und Fußgänger auf dem Hafengelände nicht erlaubt sind, fährt eine öffentliche Buslinie durch das Hafengelände bis zum Fährbüro. Wir hatten jedoch Glück, dass ein Shuttlebus von Finnlines gerade zufällig am Hafentor gehalten hatte, um zwei Reisende zum Bahnhof zu bringen. Nach kurzem Check-in fuhr uns selbiger VW-Bus dann direkt in das Schiff. Unser Reisegepäck konnte während dieser Zeit selbstverständlich im Fahrzeug verbleiben. Dann ging es mit dem Fahrstuhl auf das Hauptdeck mit der Rezeption, wo uns dann die Schlüsselkarten für die Kabine überreicht worden sind. Wir brachten anschließend unser Gepäck in die Kabine und erkundeten das Schiff. Da bis zum Ablegen um 22:00 Uhr doch noch einige Zeit vorhanden war, nutzen wir diese für ein Abendessen. Punkt 22:00 Uhr legten wir dann ab und fuhren die Trave hinab zur Mündung in die Ostsee. Diese Fahrt war sehr beeindruckend. Insbesondere durch die Höhe des Maritim Hotels auf der anderen Seite als später immer kleiner werdende Landmarke. Danach war dann Schlafenszeit angesagt. Nach ruhiger Nacht auf See erwachten wir gegen 6:00 Uhr und sahen auch schon in der Ferne die Öresundbrücke.
Nach kurzer Fotosafari auf dem Oberdeck vor und hinter der großen Brücke ging es dann noch zum Frühstück zurück ins Restaurant. Wir mussten nach dem Anlegen noch circa 20 Minuten warten, bis uns der Fahrer von Finnlines an der Rezeption abholte. Er übergab uns schließlich am Hafenbüro von Malmö einem schwedischen Taxifahrer, der uns nicht ganz stilgerecht mit einer deutschen Limousine zum Hauptbahnhof von Malmö brachte. Dort stellten wir unser Gepäck in unserem in der Nähe befindlichen Hotel ab und nutzten den ganzen Tag für den Besuch eines Bekannten in Kopenhagen auf der anderen Seite und die Erkundung von Malmö. Auf der Hinfahrt ging es wie gewohnt mit dem Zug ohne Probleme bis nach Kopenhagen Hauptbahnhof. Auf der Rückreise mussten wir am Flughafen umsteigen und unsere Ausweispapiere vorzeigen. Nach kurzer Nacht mussten wir dann früh am Morgen aufstehen, da unser Zug nach Trelleborg bereits um 6:19 Uhr abfahren sollte. Das mitgebrachte Frühstückspaket aus dem Hotel sowie den Kaffee aus dem Bahnhof ließen wir uns dann auf der knapp halbstündigen Fahrt schmecken. Kurz vor Erreichen des reaktivierten Trelleborger Hauptbahnhofs war dann auf der linken Seite in Fahrtrichtung der Berlin Night Express zu sehen, der an diesem Tag gegen 7:30 Uhr in Malmö ankommen sollte. Und dann ließ sie sich auch schon blicken, die letzte Fähre der Deutschen Reichsbahn, die Sassnitz lag in Sichtweite des Bahnhofsgebäudes. Nach kurzem Fußweg zum Hafenbüro, das sich für Fußgänger im am Hafen liegenden Best Western Hotel befindet, fuhren wir dann per Bus bis zum Schiff. Im Schiff angekommen, fanden wir auch problemlos Plätze auf dem Oberdeck an der frischen Luft. In den Passagierbereichen im Schiff war es mir dann doch zu voll. Die gut vierstündige Fahrt verlief problemlos und nach gut der Hälfte der Fahrzeit ließen sich dann auch schon Hiddensee und Rügen am Horizont blicken. Da Seeluft bekanntlich hungrig macht, nahmen wir noch ein Mittagessen zu uns. Dann hieß es auch schon, Abschied von der Fähre zu nehmen. Leider hat der Hafen Mukran nur noch zwei tägliche Fahrten zwischen Trelleborg und Sassnitz sowie in den Sommermonaten eine tägliche Überfahrt nach Bornholm. Durch den Wegfall der zweiten Fähre auf der Linie nach Schweden gerät nun hoffentlich nicht auch noch die letzte verbleibende Linie in Gefahr. Die früheren Verbindungen nach Memel gibt es leider nur noch sehr unregelmäßig. Immerhin wächst das Frachtaufkommen am Mukraner Hafen durch Windparks und ähnliche Aufträge rapide an, so dass sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Nach Ankunft am Passagierterminal stiegen wir dann auf ein vierrädriges gummibereiftes Vehikel um, das uns schließlich in den Südosten der Insel ins Mönchgut nach Thiessow brachte. Negativ fand ich auf Rügen die doch hohe Zahl der Autos, die immer wieder dafür sorgte, dass an Schlechtwettertagen auf den Straßen teilweise nichts mehr ging. Aber wir gehörten ja leider auch dazu. In der Zeit unseres Urlaubs kam auch unsere Bundeskanzlerin mit dem Bundesverkehrsminister zur Einweihung des nächsten Bauabschnitts der B96n zwischen Samtens und Bergen auf die Insel. Grundsätzlich hat Rügen ja ein gewisses Potenzial, den ÖPNV zu stärken. Ich hoffe, dass die Insulaner in Zukunft davon mehr Gebrauch machen, um die steigende Zahl der Erholungsbedürftigen zu bewältigen.
Neben den beiden Strecken nach Saßnitz und Binz gibt es ja auch noch die Schmalspurstrecke der Rügener Kleinbahn von Lauterbach über Putbus bis nach Göhren. Vielleicht wäre ja auch hier eine Verlängerung bis nach Thiessow sinnvoll. Immerhin gibt es zu Entlastung des Autoverkehrs über den Rügendamm die Glewitzer Fähre. Diese nutzten auch wir auf der Rückreise und verließen die Insel so wie wir gekommen sind, per Schiff.

Nach zehn ereignisreichen und erholsamen Tagen ging es dann per Automobil, aber auch per Fähre, wieder zurück aufs Festland in Richtung Leipzig. Unterwegs machten wir eine fünfstündige Pause in Pasewalk, um mit dem Zug der Pommernstadt Stettin einen kurzen Besuch abzustatten. Wir erreichten passend zum nächsten Takt den Pasewalker Bahnhof auf der Westseite der Ucker und kamen nach guten weiteren 30 Minuten in Stettin an. Interessant waren erste Eindrücke vom frisch renovierten Stettiner Hauptbahnhof sowie einen Blick auf die verschiedenen Fahrzeuge, die man ja in Deutschland nicht allzu häufig sehen kann. Nach einem kurzen Rundgang durch die Altstadt, zum Residenzschloss der pommerschen Herzöge und über einen relativ großen Markt in der Innenstadt ging es dann wieder zurück zum Bahnhof und ab Pasewalk weiter in Richtung Leipzig per Auto.

Im nächsten Teil folgen fotografische Eindrücke.


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