Adventsreise zwischen Paris und Erzgebirge Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Donnerstag, 31.12.2015, 17:46 (vor 3382 Tagen) @ TD

Tag 4: Leipzig – Chemnitz – Annaberg-Buchholz

In der Reiseplanung hatte sich recht kurzfristig noch eine Änderung ergeben, dazu später mehr. Jedenfalls führt diese Änderung dazu, dass wir zwei Stunden früher als ursprünglich geplant in Leipzig losfahren und das Hotel noch vor dem Frühstück verlassen müssen. So gesehen wäre die Übernachtung in Chemnitz bequemer gewesen, aber wer ahnt schon, dass ich nach der Hotelbuchung noch auf die Idee komme, die Reiseroute zu ändern?

[image]

Aber nehmen wir es positiv, so menschenleer wie am Sonntagmorgen um sieben Uhr sehen wir den Leipziger Hauptbahnhof auch selten.

[image]

[image]

Erst die neu eröffnete Neubaustrecke Erfurt-Leipzig, jetzt die Fahrt mit der MRB nach Chemnitz und später auch noch die Strecke Aš-Selb – eine Mischung aus Zufall und sanftem Nachhelfen führt dazu, dass wir gleich mehrere Neuerungen des Fahrplanwechsels auf der Tour mitnehmen können.

Die Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) betreibt neu den RE 6 zwischen Leipzig und Chemnitz, zum Einsatz kommen lokbespannte Wagenzüge mit modernisieren Reichsbahnwagen, die zuvor bei der NOB im Einsatz waren.

[image]

Eines der Fenster neben dem Einstieg wurde in ein beleuchtetes Zuglaufschild umgewandelt.

[image]

Wir machen es uns nun in einem der Abteile bequem, dann kann die Fahrt ja losgehen. Die Zugbegleiterin hat etwas Mühe mit der Technik, aber so lange nur das mobile Terminal streikt, ist das ja harmlos. Angeblich zeigt das Gerät nach dem Scannen unserer DB-Tickets nicht den Reisetag, sondern das Buchungsdatum an. Aber kein Problem, wir dürfen trotzdem mitfahren.

[image]

Die Werbung im Abteil erinnert an längst vergangene Zeiten. Schade, dass ich nie von Neuss bis Rostock mitgefahren bin.

[image]

In den Presseberichten zur Umstellung auf die Wagenzüge findet sich die Aussage, dass sich durch Klimaanlagen Keime schneller verbreiten könnten, was in diesen Zügen nicht passiere. Ok, jetzt im Dezember braucht es wirklich keine Klimaanlage, aber um den Kopf aus dem Fenster zu strecken ist es doch recht frisch.

[image]

Auf dem Göhrener Viadukt geht es in 68 Metern Höhe über die Zwickauer Mulde, unter uns außerdem die Muldentalbahn.

[image]

[image]

Pünktlich kommen wir in Chemnitz an, hier noch der Zug von vorne – gut, das ist jetzt schon wieder hinten – mit der ER 20-Diesellok.

[image]

Unser Anschlusszug wird mit einer Verspätung von 20 Minuten angezeigt, wodurch sich die ohnehin schon üppige Übergangszeit noch verlängert. Also schnappen wir noch etwas frische Luft und schauen uns vor und im Hauptbahnhof um.

[image]

[image]

Die meisten hier werden das wahrscheinlich nicht verstehen können, aber Dampfloks sind nicht meine Welt. Um organisierte Sonderfahrten und Nostalgiezüge mache ich eigentlich einen großen Bogen, auf dem ursprünglichen Reiseplan stand deshalb auch eine RB der Erzgebirgsbahn nach Annaberg-Buchholz. Anlässlich der Bergparade ist Annaberg-Buchholz an dem Tag aber auch Ziel von Sonderzügen. Und hier wittere ich als Streckensammler nun die Chance, mit einem Sonderzug die regulär nicht mehr befahrene Strecke von Schwarzenberg nach Annaberg-Buchholz mitnehmen zu können, wenn es sein muss eben auch im Dampfzug. Der Zug kommt aus Berlin und befährt auf der Hinfahrt die begehrte Strecke.

Mein Bruder ist angesichts der versammelten Fuzzyschar im Hauptbahnhof von Chemnitz skeptisch, was uns nun erwartet. Ich sage ihm leichtsinnigerweise, er solle froh sein, dass ich keine Nikolausfahrt gebucht habe, so bleibe er wenigstens von diesem Programmpunkt verschont. Gut, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt aber wirklich noch nicht besser.

[image]

Der Zug war eigentlich schon ausgebucht, aber gut zwei Wochen vor der Fahrt wurden dann nochmals Plätze in einem zusätzlichen Wagen angeboten, so dass es für uns nun in einem Silberling auf große Fahrt geht.

[image]

Von Chemnitz bis Aue fahren wir auf der Zwönitztalbahn. Im Tal des gleichnamigen Flusses liegen noch ein paar Nebelschwaden, über uns gibt es aber schon blauen Himmel.

[image]

[image]

[image]

Nach der Fahrt durch die offene Landschaft des Westerzgebirges erreicht die Strecke zwischen Zwönitz und Lößnitz den Scheitelpunkt und führt dann hinab nach Aue. Für den kurvenreichen Abschnitt findet sich mitunter die Bezeichnung „sächsischer Semmering“, wobei um diesen Titel mehrere Strecken konkurrieren.

[image]

[image]

Weiter geht es nach Schwarzenberg und dort beginnt nun die fahrplanmäßig nicht mehr befahrene Strecke nach Annaberg-Buchholz. Unter dem Namen Erzgebirgische Aussichtsbahn gibt es auf der Strecke nur noch einen touristischen Ausflugsverkehr an wenigen Wochenenden im Sommerhalbjahr, wobei es mich zu den Fahrtagen bisher noch nicht ins Erzgebirge verschlagen hatte.

[image]

Die Strecke gewinnt nun an Höhe...

[image]

...und mit dem Markersbacher Viadukt folgt das bekannteste Bauwerk der Strecke. Die Brücke wurde 1889 eingeweiht, sie ist 236 Meter lang und 36 Meter hoch. In Schlettau wird der Zug musikalisch begrüßt, dann ist bald der Scheitelpunkt erreicht und die Strecke führt schließlich hinab nach Annaberg-Buchholz.

[image]

Wenn ich mir im Herbst Gedanken über die Adventsreise mache, habe ich eigentlich das Bild von verschneiten Winterlandschaften vor Augen. Dass wir die Fahrt bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein am offenen Fenster verbringen würden, kam mir bei der Reiseplanung auch nicht in den Sinn. Hättet Ihr an dieser Stelle auch Winterbilder erwartet? Gut, das kann ich jetzt auch nicht ändern, aber drei Jahre zuvor war ich schon einmal zur Vorweihnachtszeit in der Gegend unterwegs, aber teilweise auf anderen Strecken. Wer möchte, kann hier auf Winterbilder umschalten.

[image]

Es ist übrigens gar nicht so einfach, Landschaftsaufnahmen aus dem Zug zu machen, denn viele Hügel und Wiesen entlang der Strecke werden von Fotografen belagert und zugeparkt, und dann hat man auch noch den blöden Qualm im Bild ;)

[image]

Am 4. Advent findet in Annaberg-Buchholz traditionell eine Bergparade als Höhepunkt und Abschluss des Weihnachtsmarktes statt. Mit über 900 Teilnehmern und fast 400 Bergmusikern ist sie die größte Bergparade zur Adventszeit. Für jemanden wie mich, der nicht aus einer Bergbauregion kommt und auch sonst mit Bergbau nichts am Hut hat, eine fremde aber dennoch interessante Tradition.

[image]

[image]

[image]

[image]

[image]

Solange es noch hell ist, nutzen wir die Chance, vom Turm der St. Annenkirche einen Blick über die Stadt zu werfen, anschließend machen wir Pause im Hotel und warten den Einbruch der Dunkelheit ab.

[image]

Zum Abschluss sind wohl ein paar Weihnachtsmarktbilder unvermeidlich. Als Heimat von Schwibbögen, Räuchermännchen und Pyramiden gilt das Erzgebirge ja als Weihnachtsland schlechthin.

[image]

[image]

[image]

Die St. Annenkirche ist die größte reine Hallenkirche der Spätgotik in Sachsen, ihr Turm ist 78 Meter hoch. Während dieses abendliche Bild der St. Annenkirche entsteht, ist der Sonderzug übrigens längst wieder auf der Rückfahrt nach Berlin. Allerdings ohne uns, denn wir haben andere Reisepläne, aber dazu demnächst mehr im dritten Teil.

Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr

Tobias

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum